Grexit
Unser
Reizthema heute: Grexit
Grexit
ist der Griechenexit aus dem Euro-Währungsverbund und
wortschöpferisch unsere Antwort auf Brangelina.
So
um die Jahrtausendwende dachte sich der ein oder andere nutzlose
Politiker mit Profilneurose, dass es voll knorke wäre, wenn alle in
Europa eine Währung hätten. Weil dann müsste man keine Knatze mehr
tauschen, wenn man in den Urlaub fährt. Außerdem wäre man als
vereintes Europa ja ein tolles Gegengewicht zu den USA, nicht dass
sonst noch die Welt in Schieflage gerät.
Woran
aber offenbar keiner gedacht hat – oder besser: woran zwar bestimmt
jemand gedacht, aber kein Gehör gefunden hat – ist, dass so ein
Deutschland oder Spanien oder Österreich vom Lebensstandard
natürlich ne ganz andere Hausnummer ist als Bulgarien oder wer da
jetzt noch alles europäisch mitmachen darf. Und dass sich bei der
Gleichmacherei am Ende alle in der Mitte treffen, hätte jeder
zugedröhnte Förderschüler vorhersehen können.
Nu
sind die Griechen pleite. Warum auch immer. Ich dachte immer, Staaten
drucken einfach neues Geld oder schummeln sonstwie, wenn die Kohle
knapp wird. So richtig beim Sparen hab ich da noch keinen Politiker
gesehen, außer am falschen Ende. Jedenfalls ist das mit dem
Gelddrucken wohl nicht mehr so einfach, weil Euros kann ja nicht
einfach jeder drucken, da würde er ja auch das Geld der Nachbarn
verwässern.
Ich
habe noch nie gehört, dass ein Land finanziell im Plus ist. Alle
versuchen immer nur, sich im nächsten Jahr weniger zusätzlich neu
zu verschulden als im Jahr davor. Wie ein Alkoholiker, der heute zwölf
Flaschen Bier trinkt und hofft, dass er morgen bei dreizen statt bei
vierzehn bleiben kann. Aber – Respect – bei den Griechen ist
jetzt die Kohle alle.
Und
allein kommen sie da nicht raus. Demokratie haben sie schon erfunden,
Mathe war auch mal ihre Stärke, Tourismus läuft, und trotzdem Kasse
leer.
Die
anderen Euroländer legen jetzt zusammen, damit die Griechen nicht
pleite gehen - weil keiner weiß, was dann passiert. Wie bei Pennern,
wo alle für den Haftbefehl ihres Kumpels zusammenlegen, damit der
bei Ihnen bleiben kann.
Würde
Griechenland die Welt in eine Wirtschaftskrise stürzen? (was sowieso
alles ziemlich ausgedacht ist, schließlich geht es nur um Zahlen in
Computern). Oder würde es keinen interessieren? Die einen sagen so,
die anderen so. Nur wissen tut es keiner. Wie damals, als Angie Opel
gerettet hat, obwohl die scheiß Autos bauen und selbstverschuldet
den Karren in den Dreck gefahren haben. Da hat die Angie gesagt: so
viele arbeitslose Opelmitarbeiter, da bricht hier alles zusammen.
Also lieber den Kackladen gerettet. Und damit war der Begriff „Too
big to fail“ geboren.
Griechenland
ist also offenbar auch too big to fail. Oder nicht? Das weiß keiner.
So viel Berichterstattung über Hin und Her und Für und Wider, aber
was passieren würde, wenn die Pleite gingen, oder den Euro
tatsächlich einstampfen würden, das weiß keiner.
Irgendwie
muss ich es hinbekommen, dass die Bundesrepublik auch die Hosen vor
meiner persönlichen Pleite vollhat. „Scheiße, wir müssen dem
Klopskopf mal ne Million überweisen, sonst kann der seinen
extravaganten Lebensstil nicht mehr finanzieren, und das greift dann
um sich wie ein Lauffeuer, und am Ende ist Bürgerkrieg“. Das wär
cool. Zücken Sie den Überweisungsträger, Herr Schäuble, denn auch
ich bin too big to fail. Ernsthaft.
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