Unterwerfung
Unser
Reizthema heute: Unterwerfung
Auch
wenn dieser Blog das Gegenteil vermuten lassen mag, besitze ich
mehrere Bücher, und zumindest die mit überwiegend kurzen Sätzen
und einfachem Vokabular habe ich sogar gelesen. Alter, der Klopskopf
kann lesen? Ja. Ich kann sogar schreiben! Wobei ich diesen Blog stets
aus der Badewanne heraus meiner Sekretärin diktiere.
Heute
also eine Buchkritik, und zwar zu Michel Houellebecqs
heißdiskutiertem aktuellem Buch „Unterwerfung“.
Wie
viele Schriftsteller sieht auch Michel Houellebecq so aus, als würde
man ihm ne Mark zustecken, wenn man ihn in der Fußgängerzone sitzen
sähe. Geschrieben hat er diesmal eine Geschichte über den Islam,
der Europa übernimmt. Quasi das Ereignis, das unmittelbar bevorsteht
und das wir vermutlich verhindern könnten, wenn wir nicht so satt
vor lauter Lichterketten und Basilikum-Vanilla-Chai-Frappucino wären.
Ich
fasse mal kurz den Inhalt zusammen: der alternde nichtsnutzige
Stelzbock Francois ist Professor für Literaturwissenschaften in
Paris. Sein Lieblingsthema ist der vermutlich zu Recht völlig
unterschätzte Schriftsteller Joris-Karl Huysmans, den er auch bis
zum Erbrechen zitiert, weil er sonst nichts richtiges gelernt hat.
Wenn er mal nicht über Kalle Huysmans spricht, säuft Francois
regalweise Spirituosen und bumst herum – Studentinnen, alte
Bekannte, marokkanische Prostituierte – und schreckt hierbei auch
vor Formulierungen wie „Rosette lecken“ nicht zurück.
Dann
ist Wahl. Und mit einigem Hin und Her und Unterstützung der linken
Parteien wird echt ein Moslem Staatschef der Franzosen. Der geht
erstmal los und nimmt Tunesien, Marokko und Ägypten in die EU auf
und ändert ein paar Gesetze, zum Beispiel dürfen die Frauen nicht
mehr arbeiten gehen. Oder kriegen mehr Kohle, wenn sie zuhause
bleiben, ich weiß es nicht mehr genau.
Francois
fliegt dann erstmal aus der Uni, weil er ja kein Moslem ist. Mit
seinen dreieinhalb Scheinen Pension und ohne Freunde blickt er aber
recht missmutig in die Zukunft. Als er dann seine Kollegen sieht, die
zum Islam konvertiert sind, viermal so viel verdienen und – jetzt
kommt das Killerargument - mehrere Ehefrauen haben, zieht auch
Francois den Wechsel zum Team Islam in Erwägung. Das ist auch so
ziemlich alles, was in dem Buch passiert.
Das
Hauptproblem des Buches ist der Protagonist, der wie eine Actionfigur
daherkommt, der die Arme oder sonst ein zentrales Feature fehlen.
Außer über seine Hämorrhoiden oder Fußpilz reden, seinen Penis
Gassi führen, sich Gänseleber von der Tanke in der Mikrowelle
heißmachen und betonen, was für eine geiler Huysmans-Experte er
ist, kann Francois nämlich herzlich wenig. Er hat sogar nicht mal ne
Meinung.
Das
Geschwafel über Literatur füllt zwei Drittel des Buches und lässt
das Hauptthema Islamisierung irgendwie in den Hintergrund treten.
Könnte auch ein Stilmittel sein, weil Francois offenbar echt nichts
mitschneidet in seiner kleinen Welt aus Rotwein, Muschis und
Huysmans.
Die
politischen Ausführungen sind für Nicht-Franzosen etwas schwer
nachvollziehbar. Außerdem wird jeder kategorisiert –
sozialistisch, identitär, laizistisch (what the hell heißt das
eigentlich?), usw. Das ist ein bisschen zuviel Schubladendenken.
Was
denn die Islamisierung jetzt für den konkreten Alltag so bedeutet,
bleibt auch auf der Strecke. Am Ende des Buches kann man nur
festhalten: Islam scheint ganz ok zu sein, weil man kann bis zu vier
Frauen haben. Offenbar geht Houellebecq nicht so oft durch
Köln-Mülheim spazieren, sonst wär ihm bestimmt noch mehr dazu
eingefallen.
Das
einzige Highlight ist die treffende Feststellung, dass es einen
brodelnden Konflikt zwischen Einheimischen und Moslems gibt, der von
den linksliberalen Medien totgeschwiegen wird – hier bringt er
einen passenden Vergleich mit Kassandra, der im alten Troja auch
keiner zuhören wollte, obwohl sie ständig treffend das nächste
Unglück vorhersagen konnte.
Der
erhoffte Augenöffner ist das Buch auf jeden Fall nicht. Die im Buch
beschriebene Zukunft geht auch nicht auf die klassischen
Integrationsprobleme ein, sondern nur auf ganz wenige ausgesuchte
religiöse Aspekte.
Ich
gebe dem Buch zwei von drei Ohrfeigen und ein lautes Gähnen. Mehr ist ernsthaft nicht drin.
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