Weihnachten

Unser Reizthema heute: Weihnachten

Um es mal vorwegzunehmen: ich find Weihnachten super. Weihnachtsbeleuchtung ist geil, erst recht, wenn dann noch Schnee dazukommt, ich liebe Weihnachtsmärkte und Glühwein und Feuerzangenbowle, Kerzen, Weihnachtslieder und Geschenke verschenken – super.
Aber worauf ich nicht klarkomme ist diese Folklore. Denkt man da nur zwei Minuten drüber nach, kann man nicht anders, als die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Untersuchen wir das mal genauer:
An Weihnachten feiern wir streng genommen die Geburt von Jesus. Schon da komme ich ja nicht richtig mit: Jesus war jetzt so eine Art Revoluzzer und wurde dafür am Ende hingerichtet. Wie er jetzt aber genau „für unsere Sünden“ gestorben sein soll, also wie sein unsägliches Zutodekommen jetzt konkret mit meinen Sünden und deren Vergebung in Zusammenhang steht, konnte ich noch nie verstehen. Dann dieses Ding mit der Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und der Heilige Geist. Warum sollte ich den Sohn anbeten (der nicht mal die eigene Hinrichtung abwenden konnte), wenn ich auch den Vater anbeten kann (der – glaubt man dem alten Testament – viel krassere Special Effects draufhatte)? Und was oder wer zur Hölle ist der Heilige Geist?
Passenderweise fällt Jesus ihm seine Geburt dann auch noch etwa auf die Zeit der Wintersonnenwende, was ja schon für die hinterletzten Heiden ein Grund war, vergorene Beeren zu essen und sich gegenseitig an die Schlüpfer zu gehen.
Um die Weihnachtsgeschichte schon im Kindergarten anschaulich darzustellen, wird mancherorts eine Krippe mit den einschlägigen Hauptdarstellern aufgebaut: Esel, Heilige Drei Könige, Maria und Josef und mittendrin Little Jesus. Man könnte den Kleinen auch als „Christkind“ bezeichnen.
Jetzt sagen manche, diese ominöse „Christkind“ brächte Geschenke. Also der heilige Säugling namens Jesus, der noch kaum die Augen richtig aufkriegt. Das geht soweit, dass manch ein Weihnachtsmarkt „Christkindlesmarkt“ heißt. In Nürnberg kommt dann so eine Else mit Engelsperücke und eröffnet dem Bumms. Also im Klartext: eine Frau, knapp im heiratsfähigen Alter, spielt den Jesus-Säugling – da ist mir der Weihnachtsmann mit dem Coca-Cola-Truck doch irgendwie lieber.
Apropos Weihnachtsmann: Dass da einer kommt, der Geschenke bringt, ist ja noch nachvollziehbar. In Skandinavien sind‘s Elfen und Wichtel, in Österreich Kollege Krampus, in Mordor die Orks und bei uns isses halt Santa Claus. Oder Father Christmas. Oder der Christmasman. Soweit, so gut. Aber wer ist dann dieser Nikolaus? Ist das wer anders? Oder ist das derselbe? Quasi Santa (Ni)Claus? Und wieso kommt der dann schon am 6.12, wenn sein eigentlicher Auftritt doch erst am 24. ist? Who the fuck ist Knecht Ruprecht? Und wer hat sich ausgedacht, dass der Weihnachtsmann am Nordpol wohnt, eine Horde Rentiere hat und eins davon gehänselt wird, weil seine Nase so krass rot leuchtet? Fragen über Fragen.
Aber welchen widersprüchlichen Mix aus Folklore man auch für sich heraussuchen will – in jedem Fall: Frohe Weihnachten! Ernsthaft.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Opodo

Die Geschichte von Karl Kartoffel

Bjärnum-Haken, klappbar