Game of Thrones
Unser
Reizthema heute: Game of Thrones
Es ist soweit: ich habe endlich das Finale von Game of Thrones
gesehen!
Da wird sich jetzt die
Begeisterung angesichts dieser Leistung bei vielen in Grenzen halten, aber
lasst mich erklären: ich habe alle fünf dicken Schinken dieser großartigen Saga
gewälzt. Ich habe mich oft gefragt, wo das alles hinführt, wenn Charaktere
plötzlich auftauchten und ihr Storyfaden dann plötzlich wieder mit ihrem Tod im
Nirgendwo verschwand, und dachte: Wozu? Zum Beispiel dieser Targaryen-Reserve-Spross,
der kapitellang durch den Sumpf segelt, um dann unvorsichtigerweise im
Drachenfeuer zu enden, ohne einen produktiven Handschlag getan zu haben. Was
bitte sollte das? Und was habe ich geflucht, als sie am Ende Jon Snow gemeuchelt
haben. Und was fluche ich immernoch, weil dieser dicke Matrose mit „The Winds of
Winter“ nicht nachkommt. Es war aber auch vieles in den Büchern deutlich
unklarer (und komplett anders) als in der Serie. Charaktere lebten hier, waren
da aber tot und umgekehrt. Es hätte also alles passieren können im Serienfinale.
Nun bin ich ein Freund der
gepflegten DVD im Fernseher vor der Wohnzimmercouch, am liebsten beim Essen.
Und so wollte ich mir die achte Staffel auch ansehen, denn nichts schmerzt
meine ordnungsliebende Chronistenseele mehr, als eine unvollständige DVD-Serie
im Regal. Also habe ich gewartet, bis im Dezember die verdammte DVD erschien.
Und dann habe ich, für die ganz große Experience, alles von vorne geguckt. (Fast)
jeden Tag eine Folge.
Und am stolzesten bin ich darauf,
dass ich fast zwei Jahre lang jeden Spoiler vermieden, jedes GoT-Meme
weggeklickt, jedes Gespräch abgewürgt habe, um nicht das Ende zu erfahren. Und
es hat geklappt! Früher konnte ich kaum die Bundesligaergebnisse zwei Stunden lang
ignorieren, um die Sportschau voll genießen zu können (oder Ran), und jetzt
habe ich zwei Jahre lang dieses Meisterstück vollbracht!
Einzig und allein die Tatsache,
dass viele Fans mit dem Ende höchst unzufrieden waren, konnte ich nicht ausblenden.
Und ich habe schlimmes befürchtet. Was regte diese Leute auf? War es lieblos?
Gewann der ewige Frost den Kampf gegen die Menschen? Starben alle unsere
Lieblingscharaktere? Ging es ungerecht aus? Oder schlimmer: gerecht?
Tja, aber die Meinungen anderer
Menschen sind oft so daneben, dass ich nur meinen Kopf auf die Tastatur hämmern
möchte, und auch Menschen, die ich sonst schätze, haben einen beschissenen
Geschmack oder rotzdämliche Ansichten. Also scheiß auf alle. Ich brauche keine
anderen Meinungen, ich habe meine eigene, wie Charles Manson mal sagte.
Und was soll ich sagen? Ich fand
das Ende großartig. Die letzten vier Staffeln sind emotional dermaßen
aufwühlend gewesen, das habe ich bisher maximal bei Breaking Bad erlebt. Und das
Ende ist, wie es sein soll: es gibt kein Happy End für alle. Jeder hat Schuld
auf sich geladen, die ihn jede Nacht quälen wird. Manche Tote sind besser dran
als die Überlebenden. Es ist ungerecht, es wird sich verraten, es sterben
Menschen, es regnet Feuer und Tod, es werden Rechnungen beglichen und es wird
fürchterlich Rache genommen. Super. Ich kann gut mit diesem Ende leben. Es ist
genug Happy End um, die Fernbedienung in den Bildschirm zu hämmern, und es ist
verstörend und unnötig genug, um dem gesamten Verlauf der Serie treu zu
bleiben.
Wer jetzt sagt „Was maßt dieser
Klopsi sich an, hier soviel Lob abzusondern?“, dem werde ich jetzt mal drei
richtig beschissene Enden aufzeigen, und dann werdet ihr dankbar sein für das Ende
von Game of Thrones:
1. House of Cards: Weil irgendein
erfolgloser Schauspieler in der Hoffnung auf einen Karrieresprung Kevin Spacey die
Nudel gerieben und ihn dann dafür angezeigt hat, hat man politisch überkorrekt
diesen großartigen Schauspieler und die tragende Säule der Serie pünktlich zur
letzten Staffel sterben lassen. Man hat ihn nicht mal anhand von überschüssigem
Material oder Rückblenden auftreten lassen. Einfach weg. Da blieb dann noch
Claire, die hat sich mit irgendso einer einflussreichen Familie angelegt, bla
bla, den Rest weiß ich nicht mehr, war auch belanglos.
2. Black Sails: nach dem Aufstieg
von Long John SIlver zum Ende der vorletzten Staffel endet die bis dato
großartige Serie nicht mit dem Verstecken
des Schatzes und Captain Flints Tod, nein, Flint wird gegaywashed! Er ist
nämlich schwul, und statt ihn umzubringen, schickt SIlver ihn auf eine Farm, wo
sein totgeglaubter Jugendfreund und Liebhaber Jefferson Penisgesicht inkognito
Rüben aus dem Acker zieht, und die beiden leben glücklich und zufrieden bis an
ihr Ende.
3. Scrubs: „Da hat man kurzerhand
das Krankenhaus abgerissen und an seiner Stelle ein Lehrkrankenhaus gebaut.“
Hier war es für mich vorbei. Die letzte Staffel Scrubs mit dem Möchtegern-Spin-Off-Versuch-Untertitel
„Med School“ hat es für mich nie gegeben. Und ich möchte nicht weiter darüber
reden, ernsthaft.
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