„Öffnungen“

Unser Reizthema heute: „Öffnungen“. „Lockerungen“. „Freiheiten“. Ein Wort lachhafter als das andere.

Die Inzidenzwerte für das dämliche Coronavirus fallen wie Dominosteine. Warum? Weil wir sechs Monate so einen behinderten Novemberlockdown hatten, der immer noch anhält? Nein. Weil es nicht mehr so völlig arschkalt ist. Das ist der einzige Grund, jede Wette.

Vorgestern habe ich die Leute gesehen, wie sie da in der Außengastronomie saßen. Sei ihnen gegönnt! Schön, dass sie die ganzen damit verbundenen Gängelungen und Behinderungen auf sich nehmen, sich anstellen und sich testen lassen, am besten drei Tage vorher einen Termin dafür machen, und dann schön Kontaktdaten angeben, die eh niemand verfolgt, wie wir wissen.

Heute dachte ich mir: treib dich auch mal rum. Lässte dich halt auch mal testen, und dann guckst du mal, wieviel Spaß das Leben so machen kann an einem Samstag mit zarter Entlockdownung. Und was soll ich sagen? Es war so beschissen, dass ich keinen Bock mehr auf irgendwas habe, außer mir eigenmächtig und fern von anderen Menschen das Hirn wegzusaufen.

Erstmal zur nächstgelegenen Teststation. Dreißig Leute lungern davor herum – keine Ahnung, ob die anstehen, auf ihr Ergebnis warten, oder einfach nur ihr Hirn ausgesetzt hat. Weiter zur zweiten Station. Komplett leer. Den Lauch da drin angesprochen, er so: „Haben Sie keinen Termin? Heute ist nur mit Termin!“ Ok. Fick dich. Ich weitergezogen zu einem Outlet. Kurz vorbeigequängelt an den ganzen behinderten Familien mit ihren Wohnmobilen und ihren Fahrradträgern, die jetzt unbedingt auf einen Campingplatz müssen, weil es ihnen zuhause nicht gefällt und sie mit der Vorstellung von richtigem Urlaub schon vollständig abgeschlossen haben. In den Drive-In-Test gefahren. Die Beschilderung war für zwei Stunden Wartezeit ausgelegt, sowas scheinen die Leute hier hinzunehmen… Ich habe 50 Minuten gewartet. Dann noch 15 aufs Ergebnis. Endlich die nötige Berechtigung erworben, den Bums zu betreten, und dann? Vor jedem Geschäft, sogar den Buden, wo sonst nie einer reingeht, unendlich lange Schlangen. Kannst du pro Geschäft nochmal 30 Minuten rechnen. Nein, ehrlich, fickt euch alle. Wieder abgerückt. Nochmal ein heimatnahes Geschäft aufgesucht. Test hatte ich ja - super. Dann Frage zwei: haben Sie die Luca-App? Diese Überwachungsapp, sponsored by Smudo und seinen linksextremen Freunden? Nein, die habe ich nicht. Dann müssen Sie hier das Kontaktformular ausfüllen! Nein, ganz sicher nicht. Habe gerade meinen Test und meinen Ausweis vorgezeigt. Bei aller Liebe,  jetzt reicht’s mir. Wenn ihr mich hier nicht wollt, dann macht eure Scheiße alleine. Fickt euch. Fickt euch alle ganz kräftig in eure scheiß Knie.

Ich mach da nicht mehr mit.

Die Leute sind total verängstigt und gestört in der Birne. Niedersachsen hat gestern die laute Überlegung gewagt, bei Inzidenzen unter 35 Leute ohne Maske in Geschäfte zu lassen – irre innovativer Scheiß! Und was macht der Twitter-Mob aus schwerstaufälligen Komplettversagern? „MaN kanN NIcHt aUfMacHen tUn, wEiL Es wÄre uNveRanTwOrtlIch!“ Wie behindert muss man sein, um nach all dieser Zeit noch so auf die Panikmache abzufahren?

Die Hirne der Leute haben sie schön gefickt, ernsthaft.

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