#MeToo
Unser Reizthema heute:
#MeToo
Ich möchte mich auch
mal zu Wort melden: Dieter Wedel hat mir an den Arsch gepackt. Er hat
gesagt, wenn mir das nicht passt, könnte ich meine Rolle in der
Lindenstraße vergessen. Und weil ich vorher schon Harvey Weinstein
die Salami gerieben hatte, um als Komparse in Pulp Fiction auftreten
zu dürfen, machte das den Kohl auch nicht mehr fett.
Der geneigte Leser ahnt
vielleicht, dass ich hier nur Spaß mache. Das Thema ist natürlich
ernst. Täglich melden sich neue Menschen zu Wort, die Hilfe
brauchen. Hilfe dabei, sich gegen sexuelle Avancen anderer zu
wehren. Menschen, die 20 Jahre brauchen, um sich klar zu werden, ob
sie eine sexuelle Belästigung anprangern wollen oder nicht.
Menschen, die sich erst als Opfer sehen, wenn es die in Aussicht
gestellte Publicity erlaubt.
Wenn Kevin Spacey mich
zum romantischen Rotweintrinken nach Dienstschluss einladen würde,
würde ich a) damit rechnen, dass er möglicherweise seinen Zucchino
rausholen wird und b) ihm eine latschen, wenn er mich angrabbelt. Nur
weil ein paar Jungschauspieler zu naiv, dämlich oder feige waren,
muss ich jetzt auf weitere Staffeln House of Cards verzichten. Das
ist der wahre Skandal. Und dasselbe werfe ich allen vor, die sich
jetzt auf Harvey Weinstein und Dieter Wedel einschießen. Ja,
vielleicht sind das ekelhafte Grabbler, die Filmrollen nach sexuellem
Entgegenkommen verteilen, aber dann muss ich entweder das Maul
aufmachen oder mitspielen. Aber mitspielen und Jahre später
rumjammern scheint mir irgendwie link. Wenn ich die Wahl hätte,
jeden Tag 100 Kilometer zu pendeln um 12 Stunden irgendwo Regale
einzuräumen oder dem Harvey kurz mal den Jürgen zu würgen, um mir
den Traum vom Schauspielern zu erfüllen, würde ich mir schon genau
überlegen, ob letzteres nicht das geringere Übel ist.
Und was verdammt ist
überhaupt aus der Unschuldsvermutung geworden?
Verrückte Welt.
Ernsthaft.
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