Datenschutz
Unser Reizthema heute:
Datenschutz
Datenschutz definiert
der Duden als „Maßnahme, die den effektiven Austausch von
Informationen behindert, um sich mittels der Sabotage effizienter
Arbeit moralisch über andere zu erheben“.
Daten sind ja ein
bisschen Neuland. Früher konnte ich ins Telefonbuch gucken, und da
standen alle drin. Alle. Name, Adresse, Telefonnummer. Lehrer.
Mitschüler. Verwandte. Alle.
Dann, so etwa mit dem
Aufkommen von Handys Ende der Neunziger, war das auf einmal nicht
mehr ok, weil die Angst vor zu viel kriminellem Abschaum
(berechtigterweise) zunahm und man lieber nicht mehr so einfach
gefunden werden wollte. Das war das Ende der öffentlichen
Telefonverzeichnisse.
Während ich die
Telefonnummern von meinem Nokia in mein SonyEricsson noch per Hand
übertragen musste (hier half ein analoger Datenspeicher,
beispielsweise ein Notizbuch), gab es dann irgendwann das iPhone, und
Internet überall war plötzlich ein Thema. Jetzt konnte ich meine
Kontakte aus meinem Handy mit denen aus Gmail synchroniseren – nie
wieder irgendwas per Hand übertragen! Das Notizbuch hatte ausgedient
und landete in der Papiertonne (wo es vermutlich von Adresshändlern
geklaut und weiterverkauft wurde).
Zeiten, in denen eine
verschissene SMS 19 Cent gekostet hat, sind gottseidank auch vorbei.
Denn was lag näher, als Messengerdienste über das Internet
anzubieten, quasi ICQ fürs Handy? Da hat sich WhatsApp das größte
Stück vom Kuchen geschnappt. Weil es komfortabel und umsonst ist.
Und weil WhatsApp jetzt Facebook gehört, erfährt Facebook, welche
Nummern ich in meinem Telefon habe. So weiß Facebook genau, mit
welchen Personen ich in Kontakt stehe.
Und Google weiß das
natürlich sowieso. Google weiß nicht nur meine Telefonnummer, auch
meine Klarpersonalien, falls ich mal eine Mail vom örtlichen
Stromversorger bekommen habe, und natürlich auch, dass ich in
letzter Zeit verstärkt nach Liliputanerpornos und Akkuschraubern
suche. Und wenn ich meine Salami fotografiere und vergessen habe, die
automatische Synchronisation mit der Cloud auszuschalten, dann sitzen
jetzt vielleicht die Praktikantinnen bei Google staunend vorm Bildnis
meiner Nudel. Aber so ist das mit den Daten. Ist die Information
raus, ist sie raus.
Natürlich wäre es
schön, wenn Google nicht wüsste, wann ich wo bin, was ich im
Internet suche und wen ich kenne. Aber was wäre die Alternative?
Stadtplan statt Google Maps, kein Streetview, kein „Hier ist ein
McDonald‘s!“. Keine kostenlose Navigation. Keine kostenlosen
ellenlangen Textnachrichten mit Anhängen. Würde WhatsApp 30 Euro im
Monat kosten und dafür keine Daten speichern und weitergeben, würde
das irgendwer bezahlen? Ich glaube kaum.
Was macht denn Google
sonst noch mit den Daten? Mir personalisierte Werbung anzeigen, z.B.
für Liliputanergangbangs in meiner Umgebung oder Akkuschrauber.
Personalisierte Werbung nervt natürlich. Aber nicht personalisierte
Werbung nervt doch noch viel mehr, oder?
Nächster Aufreger:
Zahlungsverkehr. Ich kann mit Bargeld bezahlen. Aber ich würde
lieber morgens beim Bäcker meine Kreditkarte übers Terminal swipen,
um die 3,42 Euro für mein Frühstück zu bezahlen, als einen
Fünfziger zu zücken und mir das Gejammer anzuhören, dass die so
früh jetzt kaum genug Wechselgeld in der Kasse haben. Und meine
Scheißbank weiß eh, wo ich versichert bin, wo ich arbeite, wo ich
einkaufe. Die können auch ruhig wissen, wann ich wo beim Bäcker
bin. So ist das nun mal. Es könnte ja auch einer aus meiner
Zöliakie-Selbshilfegruppe sehen, wie ich mir heimlich ein schönes
Glutenbrötchen reinfahre. Allgemeines Lebensrisiko.
Und Behörden? Die sind
im automatisierten Abrufen von Informationen bestimmt Lichtjahre
abgehängt. Und es kann mir keiner erzählen, dass die NSA oder der
Mossad mehr über mich wissen als z.B. Google. Ich denke nicht, dass
die Polizei auf Knopfdruck sehen kann, dass ich vor zwei Stunden beim
Bäcker 3,42 Euro mit Kreditkarte bezahlt habe. Das Jobcenter weiß
auch nicht, dass ich einen dicken AMG-Mercedes fahre, der auf die
Spielhalle meines Cousins zugelassen ist, auch wenn ich den ständig
mit meiner Kreditkarte betanke. Denn wie ein altes Sprichwort sagt:
Datenschutz ist Täterschutz.
Jetzt haben ein paar
picklige Parlamentarier die EU-DSGVO durchgesetzt, eine kleine
Vorschriftensammlung, die wirklich jeden verkackten Furz regelt.
Demnach darf ich nicht einmal die Telefonnummer eines Kunden oder
Geschäftspartners in meinem Geschäftshandy speichern ohne
ausführliche Belehrung und Einverständniserklärung. Kann die
Justiz den Drogenhändler nicht wegen Drogenhandels überführen, so
kann sie doch jetzt wenigstens hoffen, dass er in seinem Telefon
Nummern ohne Einverständnis gespeichert hat.
Solange die Menschen
nicht lernen, beim Umgang mit ihren Daten ihren gesunden
Menschenverstand zu benutzen, wird jede gesetzliche Regelung einfach
nur Chaos verursachen. Aber den Ficker aus dem Kongo, der mich
ständig anklingelt, um mich zu einem kostenpflichtigen Rückruf zu
verleiten, den kriegen sie nicht an den Arsch. Typisch, ernsthaft.
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