Wehrpflicht
Unser Reizthema heute:
Die Wehrpflicht.
„Haben Sie gedient?
Oder alten Leuten den Arsch abgewischt?“
So redeten sie damals,
die altgedienten Gartenzwerg-und-Hosenträger-Spießer, die
schimpfenden Rentner, und, ja, auch unsere Eltern irgendwie. Damals,
als es noch die Wehrpflicht gab.
Wie konnte das möglich
sein? Ein Jahr Zwangsarbeit, aber nur für Männer, nicht für
Frauen. Wie in aller Welt konnte das irgendwer für gerecht halten?
Ich habe mich für
Arschabwischen entschieden. Also genaugenommen habe ich mir einen legeren
Job gekrallt, bei dem ich Wasser- und Wäschekisten durch die Gegend
geschoben habe, wenn ich nicht Pause hatte, was auch oft der Fall
war. Gab ja auch nur 400 Mark (oder schon Euro?) für einen
Full-Time-Job. Gerecht war das nicht. Witzig war‘s aber schon, denn
seitdem kann ich fließend auf Serbokroatisch fluchen. Ideš mi na
kurac! Jebem ti mater! Vorher musste ich aber noch lügen, dass ich
niemanden niemals erschießen würde. Die Wahrheit wäre gewesen: ich
habe keinen Bock, in einer Kaserne zu pennen und mich von einem
Hauptschüler mit Minderwertigkeitskomplex anschreien zu lassen, weil
ich mein Bett nicht richtig gemacht habe oder im falschen Moment
scheißen gehen will. Und wenn einer mir ans Leder will, mach ich den
platt, Machete, Sturmgewehr, notfalls mit der Zahnbürste, da bin ich
äußerst gewaltbereit.
So war das mit der
Wehrpflicht. Und wie bei allen unangenehmen Regeln im Leben wurde
auch die Wehrpflicht abgeschafft, kurz nachdem das Thema für mich
erledigt war.
Jetzt melden sich ein
paar Fressen aus der Politik zu Wort, um diesen Unsinn wieder
einzuführen. Hallo? Wir leben in Zeiten, wo jeder sein individuelles
Geschlecht aussuchen darf, von feinherber Leckschwester mit zwölf
Geschmacksrichtungen bis Kampfhubschrauber. Wo die Lehrer verklagt
werden, wenn sie Malte-Thorben zu viele Hausaufgaben aufgeben. Wo man
über ein bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert und
„Leistungsgesellschaft“ ein Schimpfwort ist. Wo Autos völlig
Unbeteiligter angezündet und Polizisten mit Pflastersteinen beworfen
werden, weil irgendwelche Staaten Handelsabkommen schließen, von
denen der arbeitslose Steinschmeißer nichts versteht? Wie soll denn
da ein Zwangsdienst durchzusetzen sein, nachdem man ihn schon völlig
berechtigt und überfällig abgeschafft hat?
Klar, im Krieg braucht
man ein paar dumme Zylonen, die vorneweg laufen und den ersten
Kugelhagel abfangen. Und die Verweigerer kann man sicher gut in der
Pflege gebrauchen, denn „alten Leuten den Arsch abwischen“ für
den Mindestlohn ist eben nicht so attraktiv wie hartzen und nebenbei
schwarz arbeiten oder Drogen verkaufen. Genau das treibt die
Politiker, die sich jetzt zu Wort melden, um. Denn man hat
festgestellt: Albano Muselmani und Fettahattin Al Schawurbel – wenn
das ihre richtigen Namen sind - sind nämlich doch keine Ärzte, und
für einen Job als Altenpfleger sind sie auch nicht gekommen. Und das
Land verteidigen will von denen sich auch keiner.
Eine allgemeine
Dienstpflicht, wie sie derzeit genannt wird, würde sicher nur Leute
betreffen, die sich mit deutschem Perso ausweisen können. Was
natürlich wieder ein weiterer Schritt die Ungerechtigkeitsleiter
hinauf wäre. Und ganz ehrlich: Wer will denn einem Land einen Dienst
erweisen, dass sich tagtäglich selbst jeglicher eigener Identität
zu berauben versucht? Ernsthaft.
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