Greta
Unser Reizthema heute: Greta
Falls einer dachte, der Klopskopf
ist hin, gelyncht von einem Mob humorloser Gleichstellungsbeauftragter oder
weggesperrt von der Meinungspolizei, oder er hat vielleicht resigniert und
hingeschmissen – weit gefehlt! Ich habe eine kleine Schaffenspause gemacht.
Versucht, mich nicht mehr aufzuregen, sondern die grenzenlose Dummheit der
Menschen nur noch zur Kenntnis zu nehmen. Funktioniert hat das eine Weile ganz
gut – es gibt ja eigentlich doch noch genug Leute, die Qualitätsjournalismus
betreiben und ihre Meinung sagen, da kann ich mich zurücklehnen, dachte ich. Bloß
dringen die ja auch nicht zu den Dummen und Verblendeten durch. Und seit jetzt
sogar die NZZ öffentlich als „rechts“ bezeichnet wird, kann man so ohne
Weiteres auch nicht mit Besserung rechnen. Also wird es Zeit für Klopsi, wieder
seine Stimme zu erheben!
Es ist ja viel passiert. Ein
peinliches Hin und Her um den Brexit, die Stadtverwaltung Hannover verpflichtet
ihre Mitarbeiter, entgegen der Rechtschreibregeln das Gendersternchen zu
verwenden, und dann drückt das EU-Parlament eine Urheberrechtsreform durch,
deren Sinn und Wirkung höchst umstritten sind. Aber reden wir zum
Wiedereinstieg mal über Greta.
Ich habe lange überlegt, ob ich
sie hier „Greta Thunfisch“ nennen soll, den Witz dann aber als zu platt
verworfen. Die leichtgläubigen dummen Leute drehen durch wegen dieses kleinen
Menschen. Also, Fakt: Da ist ein kleines geistig behindertes Mädchen, das von
ihren mediengeilen Eltern (einer erfolglosen ESC-Chansonette und einem noch
erfolgloseren Schauspieler) und diversen Interessengruppen dazu missbraucht
wird, als Ikone der Klimabewegung herzuhalten. Das ist schäbig und traurig. Und
dann gibt es überall Schülerdemos, an denen Kinder freitags die Schule
schwänzen, um zu sagen, dass sie Klima gut finden oder doof finden bzw. keinen
Bock auf Schule haben. Ich meine, sie könnten natürlich lieber zur Schule gehen
und später vielleicht Elektroautos entwickeln oder den Hyperspacesolarkraftverstärker
erfinden – aber warum, wenn man stattdessen Freitagnachmittag eine Doppelstunde
Mathe abhängen kann. Und ich wette, viele dieser Kinder werden jeden Morgen von
Mutti im SUV die 500 Meter zur Schule gefahren.
Ich erinnere mich an meine Schulzeit
(da hieß der Kanzler noch Kohl). Wir haben schon ab der Grundschule viel über
den Treibhauseffekt, Umweltschutz und Mülltrennung gelernt. Wir haben sogar mal
Müll am Straßenrand gesammelt.
(Bei der Gelegenheit frage ich
mich: Wo zur Hölle ist eigentlich das Ozonloch hin? Ist das wieder zu?)
Jetzt tun alle so, als wäre das
Thema völlig neu. Schon damals hätte man anfangen können (und müssen), auf
Solarzellen, Wind- und Wasserkraft oder Erdwärme zu setzen. Stattdessen hat man
jetzt eine harte Energiewende eingeschlagen, und ob der Strom ohne Atomkraft
noch ausreichen wird für die immer mehr werdenden Menschen und ob man ihn noch
wird bezahlen können, das spielt auf einmal keine Rolle mehr.
Diesel besteuert man seit
Menschengedenken mit 25 Cent pro Liter weniger als Super. Macht man immer noch.
Und seit wann ist bekannt, dass Dieselabgase nicht nach Veilchen riechen?
Brauchte man da echt erst Messwerte aus einem manipulierten Auto? Hätte man
sowas nicht selber unabhängig schon lange vorher irgendwie messen können? Erst
hat man die Autoindustrie mit der Abwrackprämie subventioniert, jetzt entwertet
man die Dieselfahrzeuge mit Fahrverboten, schimpft öffentlich mit der
Autoindustrie, nur um das Elektroauto zu pushen und damit die Autoindustrie
weiter zu subventionieren. Ich war ja lange gegen Elektroautos, habe Studien
über viel schlechtere Wirtschaftlichkeit gelesen, aber mittlerweile bin ich
nicht mehr so skeptisch. Sie sind vermutlich tatsächlich effizienter und
wartungsärmer, und irgendwann kommt der Strom vielleicht tatsächlich zu 100%
aus erneuerbaren Energien. Es fährt ja heutzutage auch keiner mehr mit dem
Benzinrasenmäher herum. Die Frage wird sein, wie man mit den Batterien umgeht,
mit der Produktion, dem Recycling, den Rohstoffbedarfen, der Reichweite und der
Ladedauer. Und wie ich als Laternenparker ohne eigene Garage an Strom komme.
Aber ohne Nachfrage wird hier auch die Forschung auf der Stelle treten, also
los.
Keine Ahnung, wie groß der
Einfluss des Menschen auf den Klimawandel ist. Eiszeiten kamen und gingen auch
ohne FCKW und Langstreckenflüge. Aber dass man keine Plastiktüten ins Meer
wirft oder kein Altöl im Wald entsorgt, sollte sich dem gesunden
Menschenverstand erschließen. Da gibt es aber noch viel mehr Bereiche, in denen
unsere Wegwerfgesellschaft nachhaltiger werden muss. Es gibt zu viele Menschen,
die alles haben, jede Familie zwei Autos, jedes Jahr jeder ein neues
Smartphone, jede Saison neue Klamotten und Dekoartikel für die Anrichte – und
dann alles in die Tonne kloppen. Wer schon einmal versucht hat, gebrauchte
Sachen zu verkaufen, der weiß, dass es für viele Dinge einfach keinen Markt
gibt.
Also, werft keine Lebensmittel
weg, spart Strom, tragt eure Klamotten, bis sie auseinanderfallen und benutzt
euer Smartphone solange es geht. Fahrt schön langsam und nehmt das Rad wann
immer möglich, und man kann echt auch mal zu Fuß gehen. Kampf dem Überfluss!
Aber gönnt euch auch mal was, einen Flug nach Australien oder neue Batterien
für den Vibrator. Und fallt nicht auf schäbige Lobbyisten herein, die euch nur
für ihre Zwecke benutzen wollen. Benutzt euer Hirn. Auch 2019. Ernsthaft.
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