Fairparken
Unser Reizthema heute: Fairparken
Obacht beim Ansteuern des
nächsten Edekas! Immer mehr Supermarktparkplätze, gerade da, wo mehrere
Geschäfte nebeneinander liegen, übergeben ihre Parkplatzverwaltung an
zwielichtige Unternehmen wie „Fairparken“ oder „Deutschlandparken“. Die stellen
ein Schild auf, hoffen, dass man es übersieht, und mücken dann Leute ab, die
keine Parkscheibe hereingelegt haben. Die sich quasi fairparkt haben.
Da geht dann so ein
unqualifizierter Henchman, der bei der GEZ entlassen wurde, seine Runde und
heftet Zettel an die Autos der bösen Falschparker. Zudem macht er noch ein
„Beweisfoto“. Auf dem Zettel wird man dann aufgefordert, die Vertragsstrafe von
24,95 Euro zu begleichen, sonst müsste man da noch ein bisschen offizieller
daherkommen, mit Halterfeststellung usw. Die Preise liegen gerade noch
unterhalb dessen, was sittenwidrig wäre.
Das ist natürlich eine
Riesensauerei, weil es hier niemandem um die Parkordnung geht, sondern einzig
und allein ums Geldmachen durch die Achtlosigkeit und Hektik gestresster
einkaufender Menschen. Dazu mal folgende Feststellungen:
Der Parkplatz ist vielleicht
tatsächlich, aber nicht rechtlich öffentlicher Verkehrsraum. Der Fahrer (nicht
der Halter) geht möglicherweise durch die Zurkenntnisnahme des Schilds einen
Vertrag mit der Firma ein und akzeptiert durch das Abstellen seines Autos die
Bedingungen. Anders als im öffentlichen Verkehrsraum kann der Halter hier aber
nicht ersatzweise zur Haftung bzw. als Zeuge im Ordnungswidrigkeitenverfahren
herangezogen werden. Ist man z.B. nicht selbst gefahren, sollte ein
einigermaßen semiplausibler Hinweis auf den möglichen tatsächlichen Fahrer
genug Goodwill ausdrücken, um in Ruhe gelassen zu werden.
Ich möchte natürlich alle
Menschen zu redlichem Verhalten ermutigen. Ihr solltet alle für eure Fehler
geradestehen und natürlich niemals nicht lügen. Aber was weiß ich schon, ob ihr
wirklich selber gefahren seid?
Wenn ihr jammert, ihr wärt
gefahren, hättet das Schild aber nicht gesehen, werden sie euch gnadenlos zur
Kasse bitten. Das ist die ungünstigste Antwort. Besser ihr fragt euch folgende
Dinge:
Bin ich wirklich selber gefahren?
Oder habe ich mein Auto vielleicht an dem Tag an eine der vielen Personen
verliehen, die es für gewöhnlich mitnutzen? Aber da kann ich ja gar nicht
sicher sein, wer es jetzt genau an diesem Tag gehabt hat… Vielleicht Tante
Hildegard, die mittlerweile leider verstorben ist? Eines meiner Kinder oder
meine Frau vielleicht? Leider konnte ich trotz intensivster Diskussion am
Frühstückstisch nicht klären, wer es jetzt genau war. Vielleicht war es auch
mein Kumpel Fairy Parkautovic aus Montenegro, der zu der Zeit in der Stadt war?
Der lebt im Ausland und ich kann maximal einen vagen Hinweis auf einen
Facebook-Account von ihm geben, denn so gute Freunde sind wir dann doch nicht,
aber Sie werden ihn sicher ermitteln. Aber Vorsicht, Fairy kann kein Deutsch
und hatte bestimmt Schwierigkeiten, den Vertragstext auf dem Parkplatzschild in
seiner ganzen Tragweite zu erfassen.
Und wie sieht es überhaupt aus
mit dem Typen, der mir einen „Strafzettel“ geschrieben hat? Ich möchte bitte
seine Personalien, denn mein Anwalt hat einige Fragen an ihn. Zum Beispiel ob
er bei Ihnen abhängig beschäftigt oder selbstständig tätig ist? Ob er auf
Provisionsbasis bezahlt wird? Ob er speziell für den Zweck der Fotoaufnahmen
eine Kamera gestellt bekommen hat, oder ob er vielleicht die Fotos mit seinem
privaten Smartphone gemacht hat, wo sie möglicherweise automatisiert in die
Cloud von Google oder Apple hochgeladen wurden? Wer hat sonst Zugriff auf diese
Daten? Wer prüft die Einhaltung datenschutzrechtlicher Bestimmungen? Und wo auf
dem Parkplatzschild genau ist die Datenschutzerklärung abgedruckt?
Ich kann mir vorstellen, dass
eine derartige Reaktion auf die eingehende Forderung dieser miesen Unternehmen
sie zu einer Kosten-Nutzen-Einschätzung verleitet, nach welcher die
Vertragsstrafe dann doch nicht eingetrieben wird.
Wir sollten solche Machenschaften
jedenfalls nicht unterstützen. Ich fordere euch auf: meidet wenn möglich
Geschäfte, die ihre Parkplätze so verwalten lassen. Wenn nicht, bleibt mitten
im Weg mit eurem Auto stehen und lest gründlich das Parkplatzschild. Steigt
wenn nötig aus. Genießt das Hupkonzert. Fragt andere Autofahrer, die hinter
euch warten, ob sie euch eine Formulierung auf dem Schild erklären können. Geht
in den Supermarkt und fragt an der Info nach dem Schild. Bittet um eine genaue
Erklärung. Bittet um eine Parkscheibe. Fragt an der Kasse dasselbe. Lasst den
Marktleiter kommen und schwallert ihn voll, bis er die Faxen dicke hat und die
Zusammenarbeit mit den Abzockern aufkündigt.
Und vergesst nicht die
Parkscheibe, ernsthaft.
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